Glockenweihe…

… auf die schiefe Bahn.

Als ehemaliger Ministrant kann ich mich an diese Glockenweihe erinnern. Wohl, weil bei der Einweihung im letzten Moment ein Malheur verhindert wurde. Rund um die Kirche befindet sich der Friedhof und von dort aus wurde aus Brettern eine Rutsche zum Fenster des Kirchturms gebaut. Die Glocken wurden nach der Segnung mit einer Seilwinde in den Kirchturm hochgezogen. Bei diesem Manöver ist eine Glocke auf die „schiefe Bahn“ gekommen und drohte von der Rutsche auf die Kirchenbesucher herabzustürzen. Nur dem schnellen Eingreifen von ein paar beherzten Kirchenräten konnte dies verhindert werden. Pfarrer Wilfer unterstütze mich in den Ferien mit Nachhilfestunden, in Latein und Mathematik. Im Pfarrhaus wohnten auch die Pfarrhaushälterin und der Messner Stowasser, sowie einige Katzen. Der Messner war mein Firmpate, von ihm bekam ich zur Firmung eine Uhr. Mit seiner Wünschelrute erwirtschaftete er einen Beitrag zum Pfarrhaushalt. Täglich erhielt er zahlreiche Briefe und empfing Besucher von Menschen welche gesundheitlich angeschlagen waren. Den Briefen lag ein benütztes Taschentuch bei und mit seiner Wünschelrute fuhr er die Liste seiner handschriftlich verfassten Notizen entlang. An jenen Krankheitsbildern, bei der die Wünschelrute zu schwingen begann, litten die Hilfesuchenden.

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Messgewand…

…zur Glockenweihe.

Wer eine Reise macht, sei es ein Tagesausflug, kann etwas erleben. Bei den Tagesausflügen nehmen vermehrt Pensionisten teil, zumeist bringt sie der Reisebus genau an dem Ort der Sehenswürdigkeit. Es gibt viele soziale Einrichtungen welche Tagesreisen organisieren. Ob dies zu einer Marienwallfahrtskirche, einem Dom oder einem Renaissance Schloss ist. Perfekt, wenn eine gut bürgerliche Gastwirtschaft in der Nähe ist. Beliebt als Reisetage sind die Namenstage eines populären Heiligen. Je nach Verfügbarkeit von Zeit wird eine kurze Andacht oder eine Heilige Messe in der Kirche gefeiert. einen unvergesslichen Dombesuch erlebte ich in Innichen. Der Probst hat uns die Sehenswürdigkeiten der Kirche gezeigt, die monumentale Kreuzigungsgruppe, die Kuppelfresken mit der Schöpfungsgeschichte und uns in die Krypta geführt. Den Abschluss bildete der Aufenthalt in die Sakristei und stolz zeigte uns der Probst den begehbaren Schrank für die Aufbewahrung der Messgewänder. Die Anzahl und die handwerkliche Ausführung der Messgewänder mit Stickereien waren beeindruckend. Es gab Messgewänder, welche schon zweihundert Jahre alt waren, bestickt mit sakramentalen und heiligen Motiven, ausgeführt mit Gold- und Silberfäden.

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Sonnenfinsternis…

…11. 8. 1999.

Mittwoch, 11. August 1999, der Tag der totalen Sonnenfinsternis in Österreich. In Salzburg ist es bewölkt, wir verlassen die Stadt und fahren in den Süden, nach Kärnten. Um etwa 12.25 Uhr kommen wir am Fratres, eine Anhöhe bei Spittal/Drau an. Es dämmert, die Innenstadt verdunkelt sich, wir hören das Geschrei einzelner Vögel. schreien. Durch die dünne Wolkendecke sind der Mond und die Sichel der Sonne gut zu sehen. Die Dämmerung wird intensiver und uns fröstelt. Um eine Uhr gehen wir zum Auto auf dem Parkplatz zurück, die Straßenlaternen haben sich eingeschaltet. Die Kinder freuen sich über das Ereignis, mehrere Menschen sind enttäuscht über die Bewölkung. Der Verlauf der Sonnenfinsternis entsprach nicht den Erwartungen, welche durch die spektakulären Berichte in den Medien angeheizt wurden. Seit Wochen gab es wilde Spekulationen über die Begleiterscheinungen bei der Sonnenfinsternis. Vom völligen verstummen der Vögel, vom Einschlafen der Natur. Es wurden Naturkatastrophen bis zum Weltuntergang prophezeit. Einzelne Sekten, unter anderem „Universelles Leben“ kündigten ein Weltgericht an. Am Abend erfahren wir in den Fernsehnachrichten, dass in Salzburg gerade zur Zeit der totalen Sonnenfinsternis der Himmel aufgeklart hat und alles gut zu beobachten war. Wir sind in die falsche Richtung gefahren, wir waren zur Zeit der Sonnenfinsternis am falschen Ort. Meine Enttäuschung darüber war groß.  

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Sonnenfinsternis…

…Maria Plain.

Dienstag, am 10. August 1999 abends in Salzburg. Nach dem Besuch der Krönungsmesse von W. A. Mozart im Salzburger Dom sitze ich um das Eck im Café Fürst. Kein guter Platz und Zeitpunkt um mir Notizen zu machen. Eine Stunde vor der offiziellen Sperrstunde beginnt das Personal schon emsig im Lokal aufzuräumen. Es herrscht eine Stimmung wie wenige Minuten vor Betriebsschluss, Endzeitstimmung. Zu Mittag waren die Gastlokale in der Stadt zum Bersten voll, auch in der Pizzeria wo wir eingekehrt sind. Hier arbeitet ein Chinese als Pizzakoch. Neben uns hatten Gäste nicht die Geduld zu warten, bis ihnen der Kellner die Speisekarten bringt und haben sich selbstbedient. Der Kellner machte seinen Ärger darüber sichtbar, indem er die Speisekarten zurück in das Regal geworfen hat. So entwickeln sich Spannungen zwischen den Touristen und dem Gastgewerbepersonal. Auswüchse des Tourismus, schon lange findet keine freundschaftliche Begegnung zwischen Gast und Einheimischen, zwischen den verschiedenen Kulturen, statt.  Geht es um das Geschäft verbreiten wir Lügen. Vor Mozarts Geburtshaus ist ein großer Haufen Altpapier, die vielen Japaner nehmen dies nicht weiter zur Kenntnis. Ihr Blick fixiert durch die Linse des Fotoapparates das Geburtshaus von Mozart. Die Schutzbrillen für die morgige Sonnenfinsternis sind in Salzburg ausverkauft. Es wird zweierlei Gruppen von Menschen geben. Eine Gruppe welche keine Brille hat und hofft, dass der Himmel morgen bewölkt sein wird und die andere Gruppe, welche eine Brille ergattert hat und auf einen wolkenlosen Himmel hofft. Es ist eine Frage wie im Leben, auf welcher Seite steht man, gehört man zu den Verlierern oder zu den Gewinnern.

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